Dienstag, 18. März 2008

Kenias Politiker planten ethnische Massaker


Die Radiodurchsage klang nur für Außenseiter unverständlich: "Milchmänner, bereitet euch darauf vor, das Gras abzusäbeln", riefen Moderatoren schon Tage vor Kenias Wahl am 27. Dezember ins Mikrofon des Senders in der Stadt Eldoret. Die Angehörigen der Kalenjin-Volksgruppe, traditionell nomadische Rinderzüchter, verstanden sofort, dass sie die Milchmänner waren - und das Gras waren die Kikuyu, sesshafte Bauern, die ihr Land seit den 60er Jahren von der Regierung erhalten hatten.

Auch Politiker des ODM-Bündnisses von Oppositionsführers Raila Odinga riefen im Wahlkampf zur Gewalt gegen die Kikuyu-Ethnie des amtierenden Präsidenten Mwai Kibaki auf: "Die Politiker und die Ältesten in den Dörfern haben uns gesagt: Beginnt den Krieg gegen die Kikuyu, wenn sich ein Sieg für Kibaki abzeichnet", zitiert ein am Montag vorgestellter Bericht der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW) einen Bewohner des Dorfes Turbo nahe Eldoret. Er schildert die Planungen: "Erst verbrennen wir alle Hütten in und um Turbo, und dann ziehen wir nach Eldoret und machen dort weiter." Mehr als 1.000 Menschen kamen offiziellen Zahlen zufolge in den Kämpfen um, die überall in Kenia aufflammten; 500.000, so schätzt HRW, wurden vertrieben. Der Bericht legt dar, dass die Gewalt nicht spontan entbrannte, sondern geplant und von Politikern angestachelt wurde.

Erschütternd ist der Report, weil er detailliert erklärt, wie es in einem scheinbar so friedlichen Land wie Kenia zur schlimmsten Krise seit der Unabhängigkeit 1963 kommen konnte. HRW-Afrika-Experte Ben Rawlence gibt den Regierungen der Industrieländer eine Mitschuld: "Weil sie jahrzehntelang Korruption, Straflosigkeit und Missmanagement in Kenia ignoriert haben." Ohne Druck von außen, so befürchtet er, wird auch die gerade erst vereinbarte Koalitionsregierung mit Gewalt und Korruption weitermachen.

Die Interviews mit Betroffenen zeigen, wie sich die Gewalt verselbstständigte: Wer nicht zu Treffen seiner Volksgruppe erschien, musste befürchten, dass sein eigenes Haus angezündet wird. Bei den Planungstreffen selbst wurde Gruppendruck ausgeübt: "Es ist schwer, mit 300 gewaltbereiten Jugendlichen nicht einer Meinung zu sein", wird ein alter Mann aus der Nähe von Eldoret zitiert. In Naivasha, wo später Kikuyu gegen Kalenjin und Luo zu Felde zogen, wurden die Massaker ebenfalls geplant. Bekannte Geschäftsleute ließen alle jungen Männer mit Taxis einsammeln und gaben ihnen Anweisungen. "Man hat uns 150 Euro für jeden geköpften Luo versprochen", berichtet einer.

HRW fordert von der am Donnerstag benannten kenianischen Untersuchungskommission, die vom südafrikanischen Richter Johann Kriegler geführt wird, eine rückhaltlose Aufklärung der Massaker. Vor allem die Rolle der Polizei ist zwielichtig: Mancherorts schienen die Polizisten von den Milizen überwältigt, anderswo hielten sie sich auffällig zurück.

(Copyright die tageszeitung, 18.3.08)

Donnerstag, 13. März 2008

Journalistenpreis Weltbevölkerung











Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hat mit ihrem Journalistenpreis "Weltbevölkerung" 2007 meinen Artikel zur "Drei-Kind-Politik" in Ruanda geehrt (zum Artikel geht's mit einem Klick auf die Überschrift). Die feierliche Preisverleihung fand am 13. März im historischen Kassensaal der KfW Berlin in Anwesenheit der Schirmherrin, Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, sowie etwa 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit statt.

In der Jurybegründung heißt es: "Marc Engelhardt gelingt eine differenzierte Darstellung rund um Armutsbekämpfung und Bildungspolitik, um Geburtenkontrolle und Bevölkerungswachstum in Ruanda. Ein sachlich und emotional sehr eindrucksvoller Artikel!"

Der im Jahr 2007 erstmals ausgeschriebene Journalistenpreis "Weltbevölkerung" wird von UNFPA unterstützt. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung will mit der Auszeichnung den engen Zusammenhang zwischen der rasanten Bevölkerungsentwicklung, Armut, reproduktiver Gesundheit und Umweltschutz in den Entwicklungsländern stärker in die öffentliche Diskussion einbringen. Sie will verdeutlichen, dass das Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern durch Aufklärungs- und Familienplanungsprojekte verlangsamt werden muss, um die Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen zu erreichen.

(Photo Copyright DSW)

Gendarmen der Wüste


Die Lehmhütte von Urban Britzius liegt so weit ab vom Schuss, dass er manches gar nicht mitbekommt. Etwa als das Dorf Iriba im Nordosten Tschads, wo er seit fast drei Jahren lebt, von Rebellen eingenommen wurde. "Das habe ich erst im Radio erfahren", berichtet der ergraute deutsche Wasserbauingenieur, der eine Pfeife im Mundwinkel und ein weites tschadisches Gewand trägt: In Iriba steigen die Mittagstemperaturen derzeit über 50 Grad.

Früher war der Marktflecken mit etwa 2 000 Einwohnern Anlaufpunkt für den Handel mit dem Sudan, die Grenze zu Darfur liegt nur knapp 60 Kilometer entfernt. Doch seit Ausbruch der Darfur-Krise vor fünf Jahren ist Iriba vor allem Basis für Flüchtlingshelfer. Britzius versorgt im Auftrag der Hilfsorganisation Help 16 000 Menschen mit Wasser, viele von ihnen in den drei nahen Lagern. Insgesamt leben mehr als 250 000 Darfur-Flüchtlinge im unwirtlichen Osten Tschads, dazu kommen mindestens 180 000 intern vertriebene Tschader.

Durch das grenznahe Dorf jagen seit ein paar Monaten außer Darfur-Rebellen und verfeindeten Milizen auch tschadische Rebellen, die gegen die Regierung von Präsident Idriss Déby kämpfen. "Da braust irgendein Konvoi durch, und hinterher erzählt mir einer: Das war die oder jene Gruppe. Aber wirkliche Bedeutung für uns hier hat das nicht", sagt Britzius. Dass das Leben in Iriba derzeit dennoch gefährlicher ist denn je, erklärt er so: "Als Vertreter des Staates haben wir hier gerade mal einen Polizisten mit fünf Handlangern." Als die Rebellen nach Iriba kamen, flohen die sechs in den Busch, so war die Stadt plötzlich "in Rebellenhand". Als die Rebellen zum Sturm auf N'Djamena weiterzogen, kamen die sechs Repräsentanten der fernen Regierung zurück: Die Stadt war den Radionachrichten zufolge, wie Britzius am Abend überrascht zur Kenntnis nahm, wieder unter Kontrolle der Regierung. So sei es fast überall im Osten Tschads: "Es gibt hier einfach keinen Staat."

Mehr als 40 Autos sind alleine in Iriba in den vergangenen Monaten gestohlen worden, ohne dass jemand Täter verfolgt hätte. Immer wieder überfallen Banditen Häuser in Iriba. Das Umland kann nur im Konvoi bereist werden, der von der Armee begleitet werden muss. Deren Angehörige sind wiederum dafür berüchtigt, dass sie, wie in der vergangenen Woche, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen eher verprügeln als schützen.

In dieser gesetzlosen Gegend sollen von dieser Woche an Soldaten der europäischen Eingreiftruppe Eufor für mehr Sicherheit sorgen. Einen Monat nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Déby hält Eufor-Sprecher Patrick Poulain die Lage für sicher genug, um die Militärjeeps, die gepanzerten Fahrzeuge und anderes schweres Gerät von der Hauptstadt N'Djamena im fernen Westen des Landes ins 600 Kilometer östlich gelegene Abeche zu bringen. Auf der Straße, die die Soldaten dafür benutzen müssen, waren die Rebellen binnen weniger Tage ohne Widerstand bis zur Hauptstadt marschiert. "Derzeit ist die Lage sehr ruhig, wir erwarten keine Probleme", versichert Poulain.

Das ist auch gut so, denn Sicherheit für jeden kann und darf die Eufor gar nicht garantieren. Ihr Mandat sieht ausschließlich den Schutz von Flüchtlingen und Vertriebenen vor. Selbst dafür darf die Eufor nicht die Camps betreten, das ist der tschadischen Polizei vorbehalten. Für diese soll die Mission Einheiten ausbilden. In interne Konflikte darf sich die Eufor keinesfalls einmischen. "Gegen die Rebellen, die im Februar N'Djamena gestürmt haben, hätten wir nichts unternommen", bestätigt Poulain, "außer, sie hätten Flüchtlinge oder Vertriebene angegriffen."

Doch die Unparteilichkeit nehmen viele Tschader, voran die Rebellen, der Eufor nicht ab. Zwar beteuert Poulain immer wieder, die Europäer stünden auf keiner Seite, doch niemand hier glaubt, das gelte auch für die französischen Soldaten, die Déby seit seinem Putsch 1990 schon oft stützten. Mehr als die Hälfte des Eufor-Kontingents sind Franzosen, dazu kommen gut tausend Soldaten, die als Teil der französischen "Sperber"-Mission im Tschad stationiert sind.

"Unparteilichkeit, das ist doch nur Gewäsch", ärgert sich Mohammed, ein Taxifahrer in der Hauptstadt N'Djamena. "Wären die Franzosen wirklich unparteiisch, hätten wir längst einen neuen Präsidenten." Dass Déby nach Tagen der Belagerung in seinem Palast es doch noch schaffte, die zerstrittenen Rebellen zu verjagen, verdankt er nach Mohammeds Ansicht tschadischen Kampfhubschraubern: "Und die waren nur einsatzfähig, weil die Franzosen den Flughafen verteidigt haben." Freilich glaubt Mohammed auch nicht, dass die Rebellen den nötigen Wandel in einem der ärmsten Länder der Welt herbeigeführt hätten: "Die wollen auch nur ran an die Öl-Milliarden."

Nach der zweiten misslungenen Revolte in zwei Jahren kennt Déby kein Pardon mehr. Oppositionelle oder auch nur Kritiker sind geflohen oder verhaftet worden. Unabhängige Zeitungen erscheinen nicht mehr, der private Radiosender Liberté ist geschlossen. Rund um N'Djamena wird ein Schützengraben ausgehoben, Bäume, hinter denen sich Rebellen verstecken könnten, werden abgeholzt. Landesweit gilt nächtliche Ausgangssperre, kaum jemand darf reisen.

"Déby ist paranoid", bilanziert die Mitarbeiterin einer deutschen Hilfsorganisation. Zu der Gefahr durch die Rebellen komme die wachsende Wahrscheinlichkeit einer Palastrevolution. Déby selbst gab nach den Kämpfen mit offiziell 700 Toten zu, den Großteil des Rückhalts in seiner Armee verloren zu haben. Ihm bleibt die Hilfe aus Paris, wo ein Außenamtssprecher auf die Frage, warum man Déby unterstütze, antwortete: "Kennen Sie einen Besseren? Wir nicht."

Für die Eufor-Mission ist der Boden heiß. "Wir kennzeichnen alle unsere Fahrzeuge mit Flaggen der EU und Österreichs", erklärt der österreichische Major Manfred Prantl. Man will auf keinen Fall für Franzosen gehalten werden. Das Bundesheer ist mit gut 160 Soldaten an der Mission beteiligt. Oberst Heinz Assmann, der Kommandant des österreichischen Kontingents, spricht zwar von einer generell guten Zusammenarbeit, räumt aber auch Probleme ein. "Es ist ohne Frage schwierig für uns, wir müssen langsam die Kontakte aufbauen und für uns Aufgaben finden, die wir auch erledigen können." Andere werden in aller Vertraulichkeit deutlicher: Frankreich, so heißt es, behalte sicherheitsrelevante Informationen für sich, von einem gemeinsamen Einsatz könne noch keine Rede sein.

Dass es dank der Eufor bald sicherer sein könnte im Osten Tschads, glauben auch humanitäre Helfer nicht. Und an das erklärte Ziel, Vertriebenen in den vergleichsweise sicheren und gut versorgten Camps die Rückkehr in ihre Heimatdörfer schmackhaft zu machen, glaubt Maurizio Giuliano von der UN-Koordination für humanitäre Hilfe im Tschad schon gar nicht. "Die zunehmende Gewalt in der Region macht es eher fraglich, ob die Menschen jemals zurückkehren werden."

(Copyright Berliner Zeitung, 13.3.08)

Mittwoch, 12. März 2008

MERIAN live! Kenia, Tansania, Sansibar


Aktuell erschienen ist der von mir geschriebene Reiseführer Kenia, Tansania, Sansibar in der Reihe MERIAN live!, der auf fast 130 Seiten kompakte Informationen zu einer der schönsten Regionen Afrikas bietet:

Weiße Traumstrände, weite Savannen, hohe Berge und vor allem gastfreundliche Menschen machen Kenia, Tansania und Sansibar zu einem abwechslungsreichen Traumziel. Hier versammeln sich auf engem Raum so viele Möglichkeiten, den Urlaub zu gestalten, dass es schwer ist, sich für etwas zu entscheiden. Wer den Großteil seines Urlaubs am Strand verbringt, sollte zumindest einen Abstecher auf Safari machen, um die sagenhafte Wildnis Ostafrikas kennenzulernen. Deren Ausmaß ist nach europäischen Maßstäben kaum zu fassen: In Kenia stehen nahezu zehn Prozent der Landesfläche unter Schutz, in Tansania sind es sogar 20 Prozent. Zu den Schutzgebieten zählt auch der höchste Berg Afrikas, der 5.895 Meter hohe, schneebedeckte Kilimanjaro, und der fast 5.000 Meter hohe Mount Kenya, die beide ohne Steigeisen erklommen werden können. Auch die großen Städte Nairobi und Mombasa sind eine Erkundung wert: Hier spielt sich das »echte Leben« ab. An der Küste, vor allem auf den Inseln Sansibar und Lamu, kann man weitgehend unverfälschte Suahelikultur kennen lernen, die Jahrhunderte zurückreicht - Ruinenstädte an der Küste zeugen davon. An den Traumstränden mit Kokospalmen, blendend weißem Sand und türkisenem Wasser kann man zudem nicht nur sonnenbaden. An den meist gut erhaltenen Riffen sollte man unbedingt einen Tauchgang wagen. (Aus dem Einführungskapitel)

Das Buch ist ab sofort im Handel erhältlich oder kann mit einem Klick auf die Überschrift direkt bei amazon.de bestellt werden.

Marc Engelhardt: MERIAN live! Kenia, Tansania, Sansibar; München 2008 (Travel House Media)

Mittwoch, 5. März 2008

Zweckoptimismus in Kenia


Die Erleichterung über das gefühlte Ende von mehr als zwei Monaten Dauerkrise in Kenia ist auch mehrere Tage nach der kaum noch erhofften Einigung von Regierung und Opposition im ganzen Land spürbar. Die einen feierten am Wochenende in der Kneipe, die anderen in der Kirche. "Das Abkommen hat Angst und Unsicherheit sofort beendet", freut sich etwa Washington Ogonyo Ngede, Bischof der evangelikalen "Jesus around the World"-Kirche in Kisumu. "Jeder hier war traumatisiert, auch wenn die wenigsten es zugeben wollten." Durch die in den Unruhen weitgehend zerstörte Stadt fuhren immer wieder Autokonvois mit jubelnden Menschen. "Unsere größte Herausforderung ist es, Investoren hierher zu kriegen, die Kisumu wieder aufbauen", erklärt der neugewählte Bürgermeister Sam Okello. "Die Unterzeichnung des Machtteilungs-Abkommens ist dafür die halbe Miete." Auch Wirtschaftsvertreter wie der Chef des lokalen Unternehmerverbandes, Fidel Muasya, gaben sich am Wochenende zuversichtlich. "Kisumu hat eine lange Unternehmertradition, bald werden die Straßen wieder voll wirtschaftlicher Aktivität sein."

Mit "Frohes neues Jahr" grüßten sich viele Kenianer am Freitag, nachdem der umstrittene Präsident Mwai Kibaki und sein Widersacher Raila Odinga vor laufenden Kameras eine Einigung in der Machtfrage unterzeichnet hatten: Der Beginn einer neuen Ära nach zwei Monaten Düsternis. Der von Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass Präsident Mwai Kibaki, der die Wahl auch nach Ansicht internationaler Wahlbeobachter nur durch Fälschung gewonnen hat, im Amt bleibt. Odinga, der Kibaki erstmals seit der Wahl am 27. Dezember mit "Herr Präsident" ansprach, soll den neugeschaffenen Posten des Premierministers übernehmen. Dazu kommen zwei stellvertretende Premiers, je einer aus dem Kibaki- und Odinga-Lager. Das Kabinett soll zudem nach Parteienproporz im Parlament gebildet werden - dort hat Odinga die Mehrheit. Dass eine solche Lösung zustande kommen würde, hatte zuletzt kaum noch jemand für möglich gehalten. Doch 38 Tage nach seiner Ankunft in Kenia verblüffte Annan alle Zweifler, indem er Tansanias Präsident Jakaya Kikwete, derzeit auch Chef der Afrikanischen Union, nach Nairobi holte. Dem Vernehmen nach war es Kikwete persönlich, der Kibaki die Angst vor dem Premier nahm - in Tansania wird ähnlich regiert.

Ob die überraschende Einigung Bestand haben wird, ist freilich ungewiss. Annan, der am Sonntag Kenia verließ, hat Nigerias ehemaligen Außenminister Oluyemi Adeniji damit beauftragt, gemeinsam mit Unterhändlern beider Seiten die nötigen Verfassungsänderungen auf den Weg zu bringen. Ab Donnerstag soll das Parlament über sie beraten. Im Abkommen ist nicht geregelt, welche Kompetenzen der Premierminister wirklich haben soll - einige müssten dem bereits heftig protestierenden Vize-Präsidenten entrissen werden. Auch die Frage, was im Falle eines vorzeitigen Scheiterns der großen Koalition geschieht, ist offen. Auch die Tatsache, dass Kibakis Justizministerin die Gespräche fast scheitern ließ, weil sie Annan in der Debatte um einen starken Premier angeblich Unfähigkeit vorwarf, lässt bei der juristischen Feinarbeit neue Fallstricke befürchten. Doch den Zweckoptimismus fast aller Kenianer ficht das nicht an. Seit Beginn der Krise sind mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 350.000 Kenianer wurden vertrieben. Dass das jetzt ein Ende hat, feiern seit Tagen Kenianer aller Ethnien und Einkommensgruppen. Selbst wenn die Politik sich nicht an das Abkommen halten sollte, könnte die Eigendynamik des kollektiven Glücksgefühls Kenia zu einer neuen Zukunft verhelfen.

(Copyright epd, 5.3.08)